Über die Schwierigkeit, Regeln zu vereinfachen

Wintertime, The End**: 320-20-77 is the new rule

Am Anfang war ein Satz. «Spiele den Ball, wie er liegt.» Doch so einfach blieb die Welt der Golfenden nicht lange. Die offiziellen Regeln wuchsen stetig und wurden ein Buch von 450 Seiten. Eine Vereinfachung und Modernisierung musste her! Nichts einfacher als das ...

Wie gesagt, an sich wäre die Sache simpel: Spiele den Ball, wie er liegt. Doch so einfach beliessen es die Golfenden nicht lange. Aus mysteriösen Gründen kamen über die Jahre

  • 28 Regeln,
  • 96 Sub-Regeln
  • und unzählige Sub-Sub-Regeln
  • in einem ausgewachsenen Buch von 450 Seiten zusammen.

So kann es nicht weitergehen, sagten sich die Rules Committees der amerikanischen USGA und der europäischen R & A, die gemeinsam für die weltumspannende Golfregelgleichheit besorgt sind. Seit 2012 arbeiteten die Regelexperten daran, die Regeln für alle Golferinnen und Golfer verständlicher zu machen, damit sie alle anwenden können.

Jetzt haben wir das Resultat.

Das neue Rules Book 2019 umfasst

  • nur noch 20 Regeln (minus 8),
  • nur noch 77 Sub-Regeln (minus 19),
  • nur noch – oder immer noch – unzählige Sub-Sub-Regeln (eben, ungezählt),
  • nur noch 320 Seiten.

Sagenhafte 130 Seiten konnten also eingespart werden, notabene ohne Verkleinerung der Schriftgrösse! Trotz dieser Verschlankung ist das Golf Rules Book möglicherweise immer noch das ausführlichste Regelwerk aller Sportarten …
Ah ja, selbstverständlich beinhalten obige Zahlen nur die Regeln für ganz normales Loch- oder Zählspiel für den ganz normalen Golf-Alltag. Die Spezialbedingungen für Amateur- und Profi-Turniere, spezielle Spielformen etc. sind noch nicht inbegriffen.

What else?

Daneben gibt es auch neue Vorschriften für die Platzkennzeichnung. Es gibt neu zum Beispiel die Spielverbotszonen (No Play Zone, wie z.B. schöne Blumenwiesen, Biotope etc) oder die «Strafschlag-Zonen» (Penalty Area, wie z.B. Ball im Wasser verschwunden) usw.

Das gibt den Clubmanagern neue Möglichkeiten, ihren Platz individuell zu kennzeichnen und bestimmte Gebiete vor dem Zertrampeltwerden zu schützen. Bei uns haben der GPH und der GC Ennetsee diese Arbeit gemeinsam erledigt. Captain Richi Iten, Referees Rudi Achermann und Oliver Toengi und der GPH Course Marker Fredy Meier haben sich eines kalten Novembertags getroffen, den gesamten Platz Loch für Loch angeschaut und die Neuerungen und Kennzeichnung der neuen Zonen besprochen. Eine zähe Sache mit spitzfindigen Diskussionen vor allem unter den beiden Referees … 

 

Der Preis der Vereinfachung & Modernisierung? Regeln neu lernen, the hard way

Zurück zu den neuen 20 Regeln und 77 Sub-Regeln auf den 320 Seiten. Manche wähnen nun vielleicht, es seien ‘wie bisher immer’ kleine Regelanpassungen, oder man habe einfach so ungefähr jede 3. Seite im Regelbuch ersatzlos gestrichen, also alles in allem das Neu Lernen «a piece of cake» für erfahrene Golferinnen und Golfer. Weit gefehlt!

  1. Wenn das Schweizer ASG Referee Comittee seit vielen Monaten sehr viel Zeit für die Schulung der ASG Referees, der Club-Captains und -Manager aufwendet,
  2. wenn die ASG-Referees unseres Clubs sich aufmachen, in ungezählter Freizeitarbeit die für den GC Ennetsee wichtigsten Inhalte der 320 Seiten mit 20 Regeln, 77 Sub-Regeln und unzähligen Sub-Sub-Regeln für uns Mitglieder in ein ‘verdauliches’ 9-Seitenpapier zu konzentrieren (Titelseite nicht eingerechnet),
  3. wenn alle Ennetsee-Clubsektionen ihre Mitglieder eindringlich zu abendfüllenden Regelkursen einladen,
  4. wenn selbst für den Regel-Praxistag am 31. März auf unserem Platz noch befreundete ASG Referees aushelfen müssen (mit Revanche-Recht in ihren Clubs), weil noch zu wenig Clubmitglieder die neuen Regeln à fonds beherrschen und somit zuwenig eigene Fachleute für die verschiedenen Posten vorhanden sind,

… ja dann sollte es wirklich jedem Golfer und jeder Golferin dämmern, dass da was Dickes dran ist. Kein Piece of Cake also, vielmehr ein ausgewachsenes Buffet an neuen Regeln, das wir kennenlernen, verstehen und ab sofort anwenden dürfen / sollen. Was ja das Ziel der ganzen Übung ist, siehe im ersten Abschnitt dieses Beitrags.

Gibt es denn wirklich keine Alternative zu diesem mühseligen Neu-Lernen der Regeln? Aber ja doch: «Spiele den Ball, wie er liegt.» Das geht (fast) immer noch – siehe No Play Zone / Spielverbotszone ... 

 

Achtung, fertig, los: Regeln lernen.

Wie also diese 320 Seiten, 20 Regeln, 77 Subregeln und unzähligen Sub-Sub-Regeln angehen?

Eine sehr gute Hilfe für unsere Club-Mitglieder sind die ausgeschriebenen Regelkurse der Ennetsee-Sektionen und der Regel-Praxistag am 31.3.2019 auf dem Platz. Man lernt wirklich viel, und Olivers neues Regelquiz hat es in sich! 

Weitere nützliche Helfer sind …

Hast Du weitere Tipps / Links zum Regeln lernen für unsere Mitglieder? Schicke ein Mail an com@ennetsee-golf.ch

 

Ein grosses Dankeschön an unsere Referees

Herzlichen Dank an dieser Stelle unseren beiden ASG Referees Rudi und Oliver für die immense Vorarbeit auf die neue Regelsaison 2019. 

Übrigens, wenn Ihr ein Turnier mit Referees vor Ort spielt, zögert nicht mit Fragen an den Regelexperten. Das macht den Tag des Referees interessanter, wie Oliver seinen englischsprachigen Freunden jüngst erklärte. Ich schliesse diesen Beitrag ab mit einem Zitat aus dem Originaltext:

“Once the competition is under way we just sit around and wait for players having a problem – a problem about correct procedure, of course (playing badly remains their responsibility alone). They can call us, in which case we give a so-called ruling. Problem solved.

We are not called often, so tournament days are pretty boring. We just spend a long day on the course with little to do. Most of us sit in our quaint little golf carts somewhere on the course and observe. From time to time we move to a different spot to indicate that we are still alive!”

 

**Damit ist auch die kleine Beitragsserie «Wintertime im GCE» beendet. Der Frühling kommt – viel Freude in der neuen Golfsaison!





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