Golfclub Ennetsee

Interview mit Daniel Infanger, Course Manager Golfpark Holzhäusern.

Daniel Infanger stellt sich den kritischen Fragen der GCE-Clubmitglieder

Lieber Dani – herzlichen Dank, dass du dich für dieses Gespräch zur Verfügung stellst.

Das Wort «Dollarspots» war dieses Jahr in aller Munde. Erkläre den Clubmitgliedern bitte, was das genau ist.

Das Auftreten von «Dollarspots» ist eine typische Herbstkrankheit von September bis Oktober. Es handelt sich hierbei um einen Pilzbefall. Ein Nährstoffmangel, oft bedingt durch eine unzureichende Wasserversorgung, und hohe Temperaturunterschiede von Tag zu Nacht begünstigen den Befall. Trockenstress-geschwächte Gräser werden schneller infiziert.

«Dollarspots» gehören offenbar zur Natur und sind verständlich. Hätte man jedoch nicht viel früher etwas dagegen unternehmen sollen bzw. können?

Die sogenannten Dollarspots (Rasenkrankheit/Pilz) haben uns in diesem Jahr wirklich hart getroffen. Neu war nun, dass wir schon im Mai dieses Jahres mit Dollarspots kämpften. Aufgrund der Pflanzenschutz-Gesetzgebung stehen nur noch 1-2 chemische Gegenmittel (Fungizide) zur Verfügung. Der Einsatz ist limitiert und es besteht grosse Gefahr, dass Resistenzbildung gegen diese Fungizide auftritt. Besonders die Green waren davon betroffen aber in der zweiten Jahreshälfte auch Fairways und Abschlagzonen.

So oder so – wir Greenkeeper haben mit Sicherheit auch keine Freude daran und sind bestrebt, diesen Pilz von unserem Platz weitest möglich fernzuhalten. Wir hoffen wirklich, dass dies im nächsten Jahr besser gelingt. Dazu tauschen wir uns auch mit Kollegen und Kolleginnen in ganz Europa aus.

Was stehen denn für andere Massnahmen zur Verfügung?

Insbesondere die Greens müssen häufiger gesandet und belüftet werden. Und wir müssen häufiger nachsähen, mit Gräsern die besser gegen Krankheiten sind. Dies steht natürlich etwas in Konflikt mit dem Spielbetrieb. Oberkirch hat dies auch bereits so gehandhabt und hatte in der Folge weniger Probleme mit Dollarspots. Es ist klar, dass gesandete Greens nicht unbedingt eitel Freude bei den Golfenden auslösen.

Zur Pflanzenschutzgesetzgebung muss man ergänzen, dass wir in der Schweiz noch hinter den anderen Ländern der EU nachhinken. Diese haben die gesetzlichen Vorgaben bereits massiv verschärft. Das wird bei uns in Kürze auch so kommen. Wir tun also gut daran, uns bereits heute darauf einzustellen und soweit wie möglich auf Chemie zu verzichten.

Wir haben vom Club 25 000.– * für Rollrasen auf Loch 1. und 2. bezahlt, damit man schnell wieder spielen kann. Jetzt ist bald Ende Jahr und «nicht betreten» steht immer noch. War dieses Geld eine Fehlinvestition? (*Konto Eintrittsgebühren)

Auf keinen Fall. Denn sonst würden wir jetzt nicht auf Bahn 1 und 2 weitestgehend spielen. Es gibt einige Zonen, die noch nicht genügend angewachsen sind und diese werden jeweils blau markiert.

Redaktion: Um an dieser Stelle noch ein Missverständnis aufzulösen. Nicht Blau markierte Bereiche, die jedoch mit Pfosten und Seil abgesperrt sind, sind keine «Ground under Repairs» Zonen. Man darf nicht mit dem Car oder Trolley hineingehen aber muss den Ball spielen wie er liegt.

Bei den neuen Bunkern Loch 1 und 2 hiess es, die Ränder müssen festwachsen – deshalb auch die Holzplanken. Wie lange müssen wir noch mit diesem Zustand leben?

Grundsätzlich braucht es rund ein Jahr, bis neue Bunkerränder genügend gefestigt sind. Dies ist auch bedingt durch die relativ hohen Bunkerkanten, welche wir haben. Diese sorgen dafür, dass bei starken Gewittern – und dies haben wir ja in Holzhäuern häufig – der Sand nicht komplett aus den Bunkern rausgewaschen wird.

Zudem mussten wir auf eine Schönwetterperiode warten. Und während der Turnierphase haben wir schlicht zu wenig personelle Ressourcen, um diese Arbeiten ausführen zu können. Die Bunker werden jedoch voraussichtlich im Oktober gemacht.

Bei der 9-Loch Anlage brauchte man 3 Jahre für die Bunkersanierung. Müssen wir bei der Bunkersanierung auf der 18-Loch Anlage mit 6-7 Jahren rechnen? Und wann soll diese stattfinden?

Nächstes Jahr wollen wir keine grossen Umbauten vornehmen. Wir wissen, dass jetzt mal eine ruhigere Betriebsphase ohne grosse Einschränkungen kommen muss. Darum werden wir nur einzelne Bunker moderat sanieren. Sand entfernen, Drainagen kontrollieren und bei Bedarf reparieren, Sand wieder einfüllen.

Grössere Bunkerveränderungen sind viel aufwändiger und in der Saison 2020 nicht geplant. Auf jeden Fall werden wir grössere Sanierungen weitestgehend ausserhalb der Saison planen. Und daher werden sich diese Arbeiten über mehrere Jahre erstrecken. Aber wie gesagt nicht im nächsten Jahr.

Die Hochsitze „Jägerstände“ auf Loch 3 und 12 sind seit einigen Monaten gesperrt und dürfen nicht betreten werden. Warum wurden sie nicht entfernt?

Ich muss zugeben, das ist nicht ideal. Wir wussten auch länger nicht genau, was wir machen wollen, hatten aber einige Offerten eingeholt. Der ganze Prozess hat sich leider in die Länge gezogen. Nun ist es so, dass auch dies im Oktober nun endlich umgesetzt werden kann. Konkret werden wir den Turm auf Loch 3 entfernen und nicht ersetzen. Mit einer Hinweistafel machen wir auf die Gefahr der Strasse, die das Fairway quert, aufmerksam. Dieser wurde auch selten gebraucht. Bei Loch 12 werden wir einen neuen Turm positionieren (Redaktion: Ist bereits erfolgt).

«Natürlicher Golfplatz»? Breitwegerich auf dem Fairway (Bezeichnung nicht verifiziert) ist unfair und störend. Klee-Inseln haben auf dem Fairway nichts zu suchen. Auch der Spielfluss leidet, wenn man mitten auf dem Fairway Bälle suchen muss.

Natürlich soll der Ball nicht mitten auf dem Fairway im Unkraut verschwinden. An den Fairway-Rändern, in Baumzonen etc. wollen und können wir das jedoch nicht komplett verhindern. Wir machen jetzt im Herbst eine Unkrautbehandlung und sind überzeugt, dass sich das positiv auf die Fairways in der nächsten Saison auswirken wird.

Wie ich schon ausgeführt habe, wollen und können wir jedoch aus ökologischer Überzeugung aber auch aus gesetzlichen Gründen nicht zuviel Chemie einsetzen. In Deutschland zum Beispiel ist nur noch ein einziges Herbizid zugelassen und dies nur mit der «Rückenspritze». Eine Flächenbehandlung von allen Fairways oder Rough ist dort untersagt. Das bedeutet mehr Handarbeit. Wir werden in ganz Europa zunehmend mit „natürlicheren“ Golfanlagen leben müssen – dies betrifft notabene auch andere Freizeitanlagen wie Schwimmbäder etc. – da müssen wir mehr Toleranz haben.

Zugegeben – die Platzpflege hat in den letzten Jahren sicher auch etwas unter der Bauphase gelitten. Das ist nun vorbei und wir alle wollen auch einen tollen Golfplatz. Das ist unser Berufsstolz – es schmerzt auch uns, wenn die Anlage nicht so aussieht, wie wir das gerne hätten. Wetter und Ressourcen spielen leider nicht immer mit.

In das Himalaya-Green wurde sehr viel Geld und Zeit investiert. Auch jetzt ist der Aufwand nicht unerheblich. Lohnt sich das?

Grundsätzlich ist die Idee immer noch gut aus unserer Sicht. Es wird aber noch zu wenig genutzt. Wir wollen und müssen den Golfsport für Familien und Nichtgolfer attraktiver gestalten und dies braucht auch etwas Zeit.

Auf der 9-Lochanlage ist eine Renaturierung (Bachlauf Loch 3) geplant. Wann ist dies angedacht? Müssen die bereits geplanten und versprochenen Projekte deshalb hinten anstehen?

Wir haben vor Kurzem die Baubewilligung erhalten. Dafür haben wir einen externen Partner ins Boot geholt. Wir haben zwei Jahre Zeit, um dies umzusetzen. Da die Arbeiten von externen Fachleuten ausgeführt werden, sind keine Ressourcen aus dem Greenkeeping Team gebunden

Wir hatten letzten Winter eine offiziell veröffentlichte Winterruhe. Müssen wir wieder damit rechnen? Hat das etwas gebracht?

Wir hatten uns im letzten Winter in der Tat entschieden, die 18-Lochanlage nicht für den Winterbetrieb zu öffnen. Der Hauptgrund dafür sind die personellen Ressourcen. Wir fokussierten unsere Kräfte auf die nötigen Pflegearbeiten an der Anlage. Die 9-Loch-Anlage stand jedoch mit Wintergreen zur Verfügung. Das wird im kommenden Winter mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder so sein. Wir denken, das ist verschmerzbar, da es nur wenige Golferinnen und Golfer sind, dies das Angebot überhaupt nutzen. Viele GolferInnen gehen auf einen Platz im Tessin oder auch in der Deutschschweiz, auf dem man auch im Winter Sommergreen spielen kann.

Nächstes Jahr ist ein Ladies Access Turnier bei uns geplant. Was erwartet uns als Club- und Greenfee-Spieler in der nächsten Saison?

Dazu kann ich noch nicht viel sagen. Natürlich wäre das eine tolle Sache und wir sind sehr optimistisch, dass wir die Anlage auch für diesen Event top bereitstellen können. In dem Sinne ist das sicher auch für alle Clubmitglieder und Greenfeespieler eine positive Sache. Ohne Einschränkungen wird es nicht gehen. Schauen wir mal.

Möchtest du noch etwas sagen, was ich mit meinen Fragen nicht angesprochen habe?

Wichtig war mir vor allem das Thema mit den Dollarspots zu erklären. Es ist auch für uns ein echtes Problem und wir werden immer mit anderen Plätzen verglichen. Unser Platz ist in der Nähe des Sees und das bringt eigene Probleme mit sich. Oberkirch hatte dieses Jahr absolute Top-Greens und trotzdem waren viele unzufrieden. Weil in Oberkirch eben die Greens wegen den Dollarspots mehr gesandet wurden. Man kann es nie allen recht machen. Wir sind jedoch der festen Überzeugung, dass wir in der nächsten Saison bereits wieder grosse Fortschritte machen können.

Sicher ist aber auch wichtig, dass wir besser kommunizieren. Das wollen wir auf jeden Fall auch verbessern.

Lieber Dani – herzlichen Dank für das Gespräch!

Ende September 2019





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